Union Investment weiterhin mit neutraler Risikoausrichtung

Aktienquote wieder leicht angehoben

Risikoausrichtung bleibt neutral, RoRo-Meter auf 3

RoRo-Meter bleibt auf 3

Das Union Investment Committee (UIC) hat auf der regulären Sitzung am 19. Mai 2020 seine neutrale Risikoausrichtung (RoRo-Meter 3) erneut bestätigt, sich aber etwas offensiver positioniert. Das Gremium hat die Aktienquote leicht angehoben und im Gegenzug die sicheren Staatsanleihen aus den Kernländern des Euroraums erneut etwas reduziert. Das bestehende Übergewicht in Unternehmensanleihen (High Grade) wurde bestätigt.

Nach Meinung des Gremiums ignorieren die Kapitalmärkte die schwachen volkswirtschaftlichen Daten aktuell weitgehend und fokussieren sich stattdessen auf die Nachrichten, die mittelfristig auf die Überwindung der ökonomischen Folgen der Corona-Pandemie hindeuten:

  1. Die weiter rückläufigen NeuinfektionszahIen eröffneten in den vergangenen Wochen in den Industrieländern die Möglichkeit, umfangreiche Lockerungen der Eindämmungsmaßnahmen zu beschließen. Die Zeichen stehen allgemein auf einer sukzessiven Rückkehr zu einer eingeschränkten Normalität.
  2. Mit den vielfältigen geld- und fiskalpolitischen Gegenmaßnahmen leisten die Notenbanken und Regierungen einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie. Durch den deutsch-französischen Vorschlag eines 500 Milliarden Euro schweren Fonds zur Unterstützung der von der Pandemie besonders betroffenen Staaten und Sektoren scheint es auch auf der Ebene der Europäischen Union wieder zu einer Annäherung in den Gesprächen zu kommen.
  3. Die Meldungen über erfolgreiche Tests von möglichen Impfstoffen beziehungsweise Medikamenten zur Bekämpfung von COVID-19 mehren sich. Noch stehen weitere Testphasen aus, aber die Hoffnung steigt, dass sich die Medizin einem Durchbruch nähert. Erst eine wirksame Behandlung beziehungsweise Prophylaxe dürfte ein tägliches Leben wie vor dem Ausbruch ermöglichen.

Wirtschaftsaktivität stärker eingebrochen als erwartet

Die jüngsten Daten zur Wirtschaftsaktivität zeichnen ein noch schwächeres Bild als von den Volkswirten von Union Investment erwartet. So fiel der Anstieg der US-Arbeitslosigkeit noch stärker aus. Dies dürfte die Erholung des privaten Konsums im zweiten Halbjahr dämpfen. In Europa hat sich der Lockdown in vielen Ländern – mit Ausnahme von Deutschland – bereits im ersten Quartal in einem stärkeren Einbruch des Bruttoinlandsprodukts (BIP) niedergeschlagen als allgemein prognostiziert.

Vor diesem Hintergrund hat Union Investment die Wachstumsprognosen für 2020 erneut deutlich gesenkt. Die ersten Indikatoren zeigen, dass die Maßnahmen die Volkswirtschaften im zweiten Quartal stärker treffen als angenommen. Die Hilfspakete der Staaten und Notenbanken können die schwere Rezession nicht verhindern, sollten aber negative Zweitrundeneffekte abmildern. Ab dem zweiten Halbjahr ist mit begrenzten Aufholeffekten zu rechnen, erst ab Mitte des Jahres 2021 sollte eine nachhaltige Erholung einsetzen.

Damit ist beim BIP der Europäischen Währungsunion ein Rückgang von 8,5 Prozent für 2020 zu erwarten (vorherige Prognose: -6,5 Prozent). In Deutschland dürfte das Wachstum um 6,7 Prozent (vorherige Prognose: -5,4 Prozent) einbrechen. Auch in den USA dürfte die Wirtschaft im aktuellen Quartal deutlich nachgeben. Union Investment rechnet in den USA 2020 mit einem BIP-Rückgang von 7,0 Prozent (vorherige Prognose: -6,0 Prozent). Im Jahr 2021 sind auf beiden Seiten des Atlantiks wieder positive Wachstumsraten zu erwarten.

Massive Unterstützung durch Geldpolitik

Die niedrige Inflation gibt den wichtigsten Notenbanken der Welt den Raum, in noch nie gekanntem Ausmaß mit niedrigsten oder negativen Zinsen beziehungsweise massiven Ausweitungen der quantitativen Lockerungen die Folgen der Pandemie für das Finanzsystem und die Kapitalmärkte abzumildern. Es wird betont, dass weitere Maßnahmen beschlossen werden können. Denn wenn beispielsweise die Europäische Zentralbank (EZB) das bisherige Tempo bei den Käufen von Anleihen im Rahmen des „Pandemic Emergency Purchase Programme“ (PEPP) beibehält, wird dessen Volumen von 750 Milliarden Euro spätestens im Oktober ausgeschöpft sein. Der Beschluss einer Aufstockung des Programms im Sommer ist wahrscheinlich. Zunächst wird aber damit begonnen, den Banken durch die neuen Refinanzierungsgeschäfte (TLTROs) zusätzliche Liquidität zu Verfügung zu stellen.

Chart des Monats: Beim aktuellen Ankauftempo der EZB dürfte das PEPP spätestens im Oktober ausgeschöpft sein

Bestand EZB PEPP in Milliarden Euro; Monatliche Nettokäufe der EZB in Milliarden Euro
Charts des Monats
* PEPP, Prognose auf Basis des Ankaufvolumens der ersten vier Wochen; impliziert Aufstockung im weiteren Jahresverlauf; Quellen: Bloomberg, Union Investment; Stand: 15. Mai 2020.

Positionierung innerhalb der Asset-Klassen

 

Credits unverändert übergewichtet

Mit den fiskal- und geldpolitischen Stimuli wurde einerseits an den Credit-Märkten ein Boden eingezogen und die Renditeaufschläge lösten sich in den letzten Wochen deutlich von ihren Höchstständen. Andererseits geht damit eine massive Ausweitung der Staatsverschuldung einher, die zu deutlich höheren Emissionsvolumina führen dürfte. Daher sollten auch die Renditen von Bundesanleihen nicht dauerhaft weiter absinken. Emerging Market- und High Yield-Anleihen dürften zwar indirekt von den Maßnahmen profitieren, unterliegen aber stärker idiosynkratischen und wirtschaftlichen Risiken.

Industrieländer-Aktien leicht übergewichtet

Die Aktienmärkte lassen sich nicht von der negativen Wirtschaftsentwicklung beeinflussen, sondern vielmehr vom Rückgang der Neuinfektionszahlen und den Lockerungen sowie von den positiven Nachrichten zur Impfstoffentwicklung. Daneben profitieren die Börsen von den massiven geld- und fiskalpolitischen Hilfsmaßnahmen. Es ist mit weiter steigenden Märkten in den Industrieländern zu rechnen, vor allem getrieben durch Krisengewinner wie Technologie und Gesundheit.

Rohstoff-Positionierung unverändert neutral

Anders als Aktien reagieren Rohstoffe weniger auf künftige Erwartungen. Die Preise sind ein Spiegelbild der aktuellen wirtschaftlichen Lage. Dementsprechend lastet das vielfach hohe Angebot auf den Notierungen. Bei Rohöl ist zwar bereits ein deutlicher Produktionsrückgang zu beobachten – vor allem in den USA –, der Kampf um Marktanteile dürfte aber anhalten und die weitere Erholung begrenzen. Zu den Favoriten von Union Investment gehören Industriemetalle und auch industriell eingesetzte Edelmetalle, die von den Lockerungsmaßnahmen profitieren dürften. Dennoch bleiben wir zunächst noch neutral.

Währungen unverändert neutral

Der deutsch-französische Vorschlag eines Unterstützungsfonds hat das Potenzial, den Euro zu festigen. Bis zu einem Beschluss dürfte aber noch viel Überzeugungsarbeit notwendig sein. Das Britische Pfund sollte perspektivisch zur Schwäche neigen. Erste Repräsentanten der Bank of England halten negative Zinsen für nicht ausgeschlossen. Darüber hinaus wird der weiterhin ungeklärte Brexit in absehbarer Zeit wieder auf die Agenda kommen. Eine Positionierung erscheint noch zu früh.

Fortgesetzter Aufwärtstrend bei Wandelanleihen

Durch die positive Aktienmarktentwicklung sind auch Wandelanleihen weiter gestiegen. Der Wandelanleihenmarkt weist mit einer Aktiensensitivität von knapp 55 Prozent weiterhin eine hohe Konvexität auf. Durch eine extrem starke Neuemissionstätigkeit, insbesondere in den USA, sind die Bewertungen von Wandelanleihen gefallen und weiterhin günstig. Die Neuemissionen wurden vom Markt gut aufgenommen.

Unsere Positionierung

Unsere Positionierung

Stand aller Informationen und Darstellungen:
19. Mai 2020, soweit nicht anders angegeben.

Neues von den Märkten: Mai

Neues von den Märkten: Mai

Konjunktur, Wachstum, Inflation und Geldpolitik – der Monatsbericht „Neues von den Märkten“ informiert Sie über aktuelle Entwicklungen und macht Sie mit unseren Einschätzungen vertraut. Erhalten Sie zudem einen umfangreichen Rück- und Ausblick auf relevante Asset-Klassen.
(Stand: 24. April 2020)