Union Investment bleibt bei neutraler Risikoausrichtung

UIC neutralisiert Aktienübergewicht

Risikoausrichtung bleibt neutral, RoRo-Meter auf 3

RoRo-Meter bleibt auf 3

Das Union Investment Committee (UIC) hat auf seiner regulären Sitzung am 25. Februar 2020 seine neutrale Risikoausrichtung (RoRo-Meter 3) beibehalten. Im Musterportfolio wurden die Risikopositionen für den Moment leicht reduziert. Konkret wurde das Aktienübergewicht neutralisiert, während das Untergewicht bei Staatsanleihen von Kernländern der Eurozone verringert wurde. Gleichzeitig wurde das Durationssignal von „short“ auf „neutral“ angepasst. Die bestehenden Übergewichte bei Spread-Produkten wurden hingegen bestätigt.

Hintergrund waren die jüngsten Entwicklungen rund um das Corona-Virus, die zu einer Verschärfung des Risikoumfelds geführt haben. Zwar geht das UIC nach wie vor davon aus, dass die Folgen für Weltwirtschaft und Kapitalmärkte überwiegend vorübergehend sind. Aktuell hat sich die Situation aber noch nicht entspannt. An den Börsen hat die verstärkte Virus-Verbreitung Risikoassets belastet und in der Folge erhöhten Verkaufsdruck bei systematischen Investoren ausgelöst. Diese Entwicklung könnte sich in Abhängigkeit von Nachrichtenlage und Kursentwicklung noch fortsetzen. Kurzfristig ist daher weiter mit Turbulenzen zu rechnen.

Mittelfristig bleibt das UIC aber bei seiner konstruktiven Grundhaltung. So schätzt das Gremium das US-Wachstum als robust ein. Hinzu kommt die Bereitschaft der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), falls notwendig, mit Stimulierungsmaßnahmen zu unterstützen. Außerdem dürfte die Erholung des globalen Industriesektors durch Corona zwar aufgeschoben, aber nicht aufgehoben sein.

Globales Konjunkturumfeld bleibt konstruktiv

Mit der stärkeren Ausbreitung von COVID-19 auf Länder wie Südkorea und Italien hat die Epidemie aus Sicht der Kapitalmärkte eine neue Dimension erreicht. Sollte sich das Virus dort nicht eindämmen lassen, dürfte sich die Konjunktur auch hier verlangsamen. Für eine endgültige Bewertung ist es noch zu früh.

Es ist aber klar, dass das Wachstum allein durch staatliche Eindämmungsmaßnahmen sowie Verhaltensanpassungen bei Unternehmen und Bürgern abnehmen dürfte. Unklar sind hingegen Ausmaß, Persistenz und Folgen. Das UIC schätzt die globalen konjunkturellen Folgen für das Gesamtjahr bislang als überschaubar ein. Ein Teil der aktuellen Einbußen sollte später (wie bereits in früheren Fällen) über Nachholeffekte wieder aufgeholt werden. Hinzu kommt, dass die Epidemie auf eine insgesamt anziehende Konjunktur trifft.

Eine wichtige Rolle nimmt dabei China ein. Unsere Volkswirte rechnen dort für das erste Quartal mit erheblichen Folgen. Die Wachstumsprognose wurde von annualisierten 5,8 Prozent auf 3,2 Prozent gesenkt. Aktuell zeigen erste Datenpunkte, dass sich die Lage langsam und von einem sehr niedrigen Niveau kommend wieder verbessert. Dafür spricht zum Beispiel die Zunahme des Schiffsverkehrs von und nach China. Daher geht das UIC davon aus, dass sich die Lage auch wegen des Gegensteuerns der chinesischen Regierung im Lauf des zweiten Quartals aufhellt. Unter dem Strich dürfte das Wachstum im Gesamtjahr auf 5,6 Prozent zurückgehen.

Charts des Monats: Chinesisches Wachstum sollte sich erholen; Schiffsverkehr in China zieht bereits wieder an

BIP-Entwicklung in China (jährl. Veränderung); Schiffsverkehr in den wichtigsten Häfen Chinas
Charts des Monats: BIP-Entwicklung in China (jährl. Veränderung); Schiffsverkehr in den wichtigsten Häfen Chinas
Quelle: Macrobond, marinetraffic.com, Union Investment; Stand: 24. Februar 2020

Geldpolitik: Keine großen Veränderungen

Das geldpolitische Umfeld hat sich wenig verändert. Sowohl die Fed als auch die Europäische Zentralbank (EZB) debattieren über die künftigen geldpolitischen Strategien, ohne dass schon Ableitungen daraus möglich wären. Weitere Zinssenkungen scheinen in der Eurozone aber unwahrscheinlich. Die Fed hat dagegen mehr Spielraum und scheint die abgemilderte Preisniveausteuerung strategisch zunehmend ins Kalkül zu ziehen. Das heißt, sie würde ein Überschießen der Inflation über ihre Zielmarke von zwei Prozent prinzipiell zulassen. Im Fall einer konjunkturellen Eintrübung in den USA gehen wir weiterhin davon aus, dass die Fed mit bis zu zwei Zinssenkungen im weiteren Jahresverlauf gegensteuern wird.

Positionierung innerhalb der Asset-Klassen

 

Spread-Produkte bleiben übergewichtet

Die Verunsicherung über die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Epidemie beeinflusste auch die Spread-Produkte. Angesichts der negativen Renditen in den sicheren Häfen (EWU-Kernstaatsanleihen und Covered Bonds) halten wir dies nur für eine kurze Unterbrechung des mittelfristigen Renditekonvergenztrends bei europäischen Staats- (Peripherie- versus Kernmärkte) und Unternehmensanleihen. Während lang-laufende Bundesanleihen nicht nachhaltig unter die Renditemarke von -0,5 Prozent fallen sollten, dürften sich die Risikoaufschläge der Spread-Segmente weiter verringern. Bei Emerging Markets- und High Yield-Anleihen führen höhere idiosynkratische Risiken hingegen zu einer stärken Dispersion in der Entwicklung der einzelnen Anleihen.

Aktien-Übergewicht neutralisiert

Vor allem die Aktienmärkte wurden von der Risk Off-Stimmung in Mitleidenschaft gezogen. Die Gewinnwarnungen verschiedener Unternehmen in den vergangenen Tagen verdeutlichen, dass die Konzerne unter den Einschränkungen der Wertschöpfungsketten in China leiden. Und das Gewinnbild der Firmen dürfte weiter unter Druck stehen. Hinzu kommt, dass von Seiten der systematischen Investoren weiterer Abwärtsdruck zu erwarten ist. Deswegen hat das UIC entschieden, das Übergewicht im Aktienbereich über die Industrieländer zu neutralisieren. Abseits von Corona schätzt das Gremium die Assetklasse aber als weiter aussichtsreich ein.

COVID-19 dominiert Rohstoffmarkt

Der Rohstoffmarkt wird aktuell von den COVID-19-Geschehnissen bestimmt. Drei bis vier Prozent der weltweiten Ölnachfrage entfallen derzeit in China. Dadurch befindet sich der Ölmarkt im Überschuss, die Lagerbestände steigen an. Gleichzeitig hat die Terminkurve in Contango gedreht, sodass keine positiven Rollrenditen mehr zu vereinnahmen sind. Im zweiten Quartal sollte sich aufgrund der erwarteten zusätzlichen OPEC-Kürzungen die Lage aber verbessern. Auch die Industriemetalle stehen unter Druck. Hier bieten sich erst wieder Chancen bei einem Anziehen der Industrieproduktion in China. Der Goldpreis ist in den vergangenen Wochen sehr stark angestiegen – und zwar stärker als es die gesunkenen Realrenditen erwarten ließen. Dadurch ist das Edelmetall mittlerweile sehr teuer.

Keine Positionsänderung bei Währungen

Am Währungsmarkt hat sich das historische Muster in den vergangenen Monaten umgedreht. Profitierte der Euro in der Vergangenheit von steigenden Risikoanlagen und kam bei anziehender Risikoaversion unter Druck, so zeigte er sich zuletzt bei Kursanstiegen an den Aktienmärkten schwach und legte in Korrekturphasen zu. Hintergrund dafür ist seine gewandelte Rolle: Durch die Negativzinsen im Euroraum übernimmt die Gemeinschaftswährung zunehmend die Rolle einer „Funding-Währung“. Finanzierten Hedgefonds zum Beispiel früher Leverage-Trades über den Japanischen Yen oder den Schweizer Franken, so nutzen sie dafür heute stärker den Euro. Werden diese Positionen in Korrekturen aufgelöst, werden die Euro-Kredite zurückgeführt, die Nachfrage nach Euro steigt.

Wandelanleihen mit weiteren Gewinnen

Der globale Wandelanleihenmarkt ist in den vergangenen Wochen weiter gestiegen. Getrieben wurde die Entwicklung aus den USA und Europa. Asiatische Papiere zeigten sich wegen der Unsicherheit über die ökonomischen Folgen des Corona-Virus etwas schwächer. Die Aktienmarktsensitivität des Markts für Wandelanleihen liegt weiterhin bei rund 50 Prozent. Die Bewertung von europäischen Titeln ist deutlich gestiegen, während sich asiatische Papiere weiter verbilligten. Die Neuemissionstätigkeit war gering, insbesondere wegen der Berichtssaison in den USA.

Unsere Positionierung

Unsere Positionierung vom 25.02.2020

Stand aller Informationen und Darstellungen:
25. Februar 2020, soweit nicht anders angegeben.

Neues von den Märkten: Februar

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Konjunktur, Wachstum, Inflation und Geldpolitik – der Monatsbericht „Neues von den Märkten“ informiert Sie über aktuelle Entwicklungen und macht Sie mit unseren Einschätzungen vertraut. Erhalten Sie zudem einen umfangreichen Rück- und Ausblick auf relevante Asset-Klassen.
(Stand: 04. Februar 2020)